Die 5. Etappe führt mich zur „Blauen Lagune“. Ja, genau. Und sie macht ihrem Namen alle Ehre.

Es ist der 22. März 2017 und im Teutoburger Wald ist schon der Frühling zu spüren. Ich mache mich wieder sehr früh auf den Weg und bin kurz vor Sonnenaufgang, so gegen 6:15 Uhr, am Wanderparkplatz angekommen. Es ist noch recht kalt, aber ich mag das. Fertig gerüstet geht es los. Ich starte direkt am Königsteich. Eine Kanadagans beäugt mich skeptisch aus der Ferne, so frühe Besucher hat sie wohl nicht häufig. Ich lausche der Ruhe, die den See umgibt und genieße den Sonnenaufgang.

Ich gehe um den großen Teich herum und gelange in den Wald. Die Sonne streckt ihre warmen Strahlen durch die Bäume hindurch und hüllt alles in einen goldenen Schimmer. Überall aus dem Waldboden sprießt zartes Grün. Sind das die Baumkinder?

Ich atme tief die kühle und klare Luft ein und gehe zufrieden weiter den Weg entlang. Auch heute halte ich wieder Ausschau nach interessanten Gebilden, die die Natur jeden Tag hervorbringt. Aus der Ferne sehe ich schon etwas, wo ich sofort an ein Herz denken muss. Und dieses Licht, ein Traum.

Nun kommt ein sehr lauter Teil der Etappe. Ich muss raus aus dem Wald und über die Tecklenburger Straße und unter der A1 entlang. Und nach der Ruhe im Wald ist es wirklich sehr laut. Ich bringe diesen Abschnitt schnell hinter mich, denn ich bin nun sehr gespannt auf den Canyon, auf die „Blaue Lagune“.

Zurück im Wald kann ich mich wieder voll und ganz auf die Natur einlassen.

Nachdem ich die Treppe hoch gegangen bin, komme ich nach ein paar weiteren Metern auf einem freien Feld an. Von hier hat man einen wunderschönen Ausblick auf den Wald und die Stadt. Welche Stadt das genau ist? Ich denke, es wird Lengerich sein, aber genau weiß ich es nicht. Ist aber auch nicht wichtig.

Und dann sehe ich ihn, den Canyon. Und man kann schon erkennen, woher der Name „Die blaue Lagune“ kommt.

Aber bis dort hin, habe ich noch ein gutes Stück Weg vor mir. Da wo die Sonne noch nicht ihre wärmenden Strahlen ausbreiten konnte, sieht man, dass es in der Nacht noch gefroren hat.

Jetzt ist es nicht mehr weit.

Eine kleine Anmerkung zur Geschichte: Das Gebiet ist ein ehemaliger Steinbruch, ein Kalkabbaugebiet. Der Abbau wurde 1977 eingestellt und von da an sammelte sich Wasser in der Abbaugrube und die „Blaue Lagune“ entstand. Es siedelten sich viele seltene Pflanzen und Tiere an und finden hier optimale Lebensbedingungen. Seit 1989 ist das Gebiet als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Hier hat sich die Natur ihren Lebensraum zurückerobert und der Mensch schützt ihn. Davon darf es gern mehr geben.

Mit meiner App hatte ich mir einen Weg auf der rechten Seite geplant, aber da ist leider keiner. Ich bin in dem Moment ein bisschen enttäuscht. Komme ich doch nicht so nah ran, wie ich es mir vorgestellt habe? Ich gehe links weiter auf dem Weg, aber der führt mich nur wieder weg. Also gehe ich wieder ein Stück des Weges zurück. Ich schaue mich genauer um und entdecke einen kleinen Abzweig vom Hauptweg, der direkt am Canyon entlangführt.

Je weiter ich diesen Weg gehe, desto mehr entfalteten sich im Sonnenlicht die unterschiedlichen blau-türkis-gelb Töne auf der Wasseroberfläche. Es ist eine wahre Augenweide. Ich würde gern noch näher an das Wasser, aber es gibt leider keine Möglichkeit. Es geht sehr steil nach unten. Ich wage nur vorsichtig einen Blick in die Tiefe. Ich habe zwar keine Höhenangst, aber es ist irgendwie trotzdem ein komisches Gefühl.

Nach einer guten Weile verabschiede ich mich von der Blauen Lagune und gehe weiter den Weg entlang. Aber nicht sehr lang, denn er hört ganz plötzlich auf. Ich muss lachen, die Situation kenne ich doch? Zurückgehen kommt nicht in Frage. Ich halte Ausschau, wo der Weg weitergehen könnte und schaue auch in meine App. Der offizielle Wanderweg ist nicht weit entfernt, ich muss mir meinen Weg nur durch umgestürzte Bäume und Sträucher bahnen. Ich gehe entspannt weiter und sauge sowohl die wärmende Sonne als auch das leuchtende Grün in mich auf. Das nenne ich mal Energie tanken.

Unterwegs fallen mir am Boden so komische rote Dinger auf. Ich denke im ersten Moment, da hat wieder jemand seinen Müll liegen lassen. Es sieht aus wie die Verpackung dieses kleinen runden Käses. Aber ich sehe es immer häufiger und denke, das kann dann kein Müll sein. Ich schaue es mir genauer an. Das Zeug ist fest mit dem Boden verwachsen, könnte also ein Pilz sein. Da ich ihn noch nie gesehen habe und doch neugierig bin, mache ich ein Foto mit dem Smartphone und frage bei Facebook nach. Und prompt kommt die Antwort – vielen Dank an Christina: Es ist der Zinnoberrote Kelchbecherling. Es ist sogar ein Speisepilz. Und was für ein schöne Name.

Zurück auf dem offiziellen Wanderweg angekommen, führt mich dieser am Waldrand entlang und ich komme wieder zur Tecklenburger Straße. Ich bringe die Straße schnell hinter mich und verschwinde in den Wald. Hier „laufen“ mir sehr interessante Baumgestalten über den Weg.

Der erste Schmetterling kreuzt meinen Weg, ein kleiner Fuchs. Die zarten Buschwindröschen recken ihre Köpfe Richtung Sonne.

Was das für eine Pflanze auf dem dritten Bild ist, weiß ich mal wieder nicht. Bin für Hinweise dankbar.

Ich habe jetzt noch ca. 500 Meter Weg vor mir, bis ich wieder am Auto ankomme. Der Weg führt direkt am Mühlenbach entlang.

Was nehme ich mit von dieser Etappe? Der Canyon ist einen Ausflug wert, diese Farben und vor allem die Ruhe. Hier habe nichts gehört außer dem Wind in den Bäumen und dem Vogelgezwitscher. Ansonsten war diese Etappe stellenweise doch sehr laut. Wie weit der Lärm der Autos und vor allem der LKWs zu hören ist. Wie ist das wohl für die Tiere? Ist es ruhiger, wenn die Bäume ihr volles Laubkleid tragen?

Den Streckenverlauf der 5. Tour zum „Nachlaufen“ findet ihr hier.

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