Diese Tour starte ich an einem Nachmittag. Ich fahre am 17. Mai 2017 gegen 14:30 Uhr von zu Hause los. Es ist für Mai sehr warm an diesem Tag, 25° werden erwartet und die sind es auch. Ich lasse heute die Gummistiefel lieber zu Hause, die sind innen mit Neopren gefüttert. Könnte eventuell etwas warm werden.

Ich bin sehr gespannt, wie die Wanderung wird. Es ist gerade Bärlauchzeit und ich hoffe, dass ich hiervon etwas zu sehen bekomme.

Nach gut einer Stunde Fahrt komme ich an meinem Startpunkt an. Die Sonne knallt, das Licht ist noch sehr hart. Im Wald jedoch verbreitet es eine angenehme und warme Stimmung. Die Laubbäume tragen schon ihre volle Frisur, so dass es das Sonnenlicht nicht leicht hat, bis auf den Waldboden vorzudringen. Aber es ist wunderschön.

Was mir heute sehr auffällt und worauf ich früher nie geachtet habe, sind Buchen, an denen das Laub direkt aus dem Stamm wächst. Also die Zweige mit Laub ziehen sich rundherum um den Baumstamm bis nach oben hin. Ich finde das erstaunlich und irgendwie geheimnisvoll. Warum ist das so? Nicht bei allen Buchen, nur vereinzelt hier und da ein paar, meist dann aber in Gruppen zusammenstehend.

Der Waldboden ist überall weiß getupft, aber es ist noch kein Bärlauch. Doch es ist zauberhaft. Das Licht fällt wunderschön auf den Boden, fast wie Scheinwerferlicht, als wolle die Sonne mir sagen: „Da musst du hinschauen.“

Ich habe erst im Internet nachschauen müssen, was für eine Pflanze den ganzen Boden bedeckt und wenn ich richtig geschaut habe, ist es Waldmeister.

Bärlauchwald

Weiter gehts und dann endlich ist er da, der Bärlauch. Ich sehe ihn noch nicht, aber ich kann ihn bereits riechen. Als ich ihn dann auch sehe, ist es ein sagenhafter Anblick. Ich steh da und versuche erst einmal alles zu erfassen. Ich drehe mich im Kreis, überall ist Bärlauch. Soviel auf einmal habe ich noch nicht gesehen. Ich kannte bisher den Bärlauchteppich aus dem Botanischen Garten in Bielefeld und auf dem Wanderweg Richtung Fernsehturm. Aber das hier? Ich bin überwältigt und habe gerade keinen blassen Schimmer, wie ich das festhalten soll. Ich hoffe, es ist mir einigermaßen gelungen, diese duftende Fülle zu zeigen.

Fragen über Fragen

Auf meinem Weg komme ich auch an einem Steinbruch vorbei und ich bin doch sehr über das Ausmaß erschrocken – und wahrscheinlich ist dieser noch klein. Ich weiß, dass wir Rohstoffe benötigen und auch dass sie aus der Natur kommen. Ich frage mich aber, was passiert, wenn hier alles das weg ist, also alles das, was abzubauen ist? Hilft der Mensch, hilft diese Firma, die hier abbaut der Natur beim Wiederaufbau? Ich habe in dem Moment so viele Fragen, wie so oft.

Der tiefe dunkle Wald

Ich lasse diese Gedanken erst einmal so stehen und gehe weiter. Laut meiner Planung müsste ich nun auf einem Weg rund um den Tagebau gehen. Ich sehe da auch einen ganz schmalen Weg. Wie ich mich mittlerweile kenne, habe ich auch ganz genau diesen Weg geplant. Also was solls, auf ins Abenteuer. Wer weiß, wer da auf mich wartet …

Der Weg ist schmal, sehr schmal und steil. Er führt mich immer tiefer in den Wald. Das Licht hat hier an einigen keine Chance den Boden zu erreichen. Ich laufe einige hundert Meter und zack, der Weg ist weg. Aber das bringt mich nicht mehr aus der Ruhe.

Es wird immer dunkler und ich würde mich nicht wundern, wenn hinter dem nächsten Baum die Hexe Baba Jaga oder der Teufel mit den drei goldenen Haaren hervorschauen würden. Ich bleibe stehe und schaue mich um, lausche in den Wald, höre hier und da ein Knacken von Ästen und den Wind, wie er durch die Bäume weht. Fast wünsche ich mir, dass eine Figur aus einem der vielen Märchen, die ich als Kind verschlungen habe, „Hallo“ sagt. Und gleichzeitig frage ich mich, würde ich ganz cool „Hallo“ antworten oder vor Schreck schreiend davonlaufen? Oh, ich würde es zu gern herausfinden.

Wieder heraus aus dem geheimnisvollen Märchenwald, zurück auf dem Wanderweg, nähere ich mich auch schon wieder dem Ende meiner Etappe. Wie schnell doch immer wieder die Zeit vergeht, 5 Stunden sind da echt nix.

Ich muss zum Abschluss noch einmal um die Fabrik herumgehen und durch einen Teil des Ortes, um wieder zu meinem Auto zu gelangen.

Das war eine tolle und ereignisreiche Tour für mich. Im Wald ist mir trotz der Uhrzeit nur ein Jogger begegnet, erstaunlich, dass bei einem solch schönen Wetter kein Mensch unterwegs ist. Aber ich will es mal nicht beschreien, ich genieße das ja, alleine im Wald zu sein.

Den Streckenverlauf der 7. Tour zum „Nachlaufen“ findet ihr hier.

Feel free to share